Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit in Brüssel, Lüttich und Antwerpen

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Die Luftverschmutzung ist eine Gefahr für die Volksgesundheit. Wenn die Menge Feinstaub in der Luft abnimmt, werden jährlich Hunderte von Menschen weniger an Herz- und Atemwegserkrankungen sterben. Das ist eine der Schlussfolgerungen der NEHAP-Studie ‘Städte und Ihre Verschmutzung’, die 2008 vorgestellt wurde. In dieser Studie wurden die Folgen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit in 3 belgischen Städten untersucht: Brüssel, Antwerpen und Lüttich. Während der zweiten Phase des Projekts wurden die Ergebnisse an die Gemeinden bekanntgegeben.


Warum diese Studie?
 
Wenn man die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit berechnet, wie z.B. die Zahl der Toten oder die Zahl der Krankenhausaufnahmen, hat man zwei Ziele: einerseits wird die heutige Situation identifiziert. Andererseits liefert eine derartige Studie allen Entscheidungsträgern Hilfsmittel, sowohl auf lokaler als auch auf regionaler Ebene, so dass sie auf strategischer Ebene die Luftverschmutzung wirksamer bekämpfen können.

 


Die Methodologie
 
Die Europäische Union unterstützt schon seit vielen Jahren dasAPHEIS-System (Air Pollution and Health: A European Information System), um die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit zu messen. Diese Methodologie wurde auch in der belgischen NEHAP-Studie “Städte und Ihre Verschmutzung” angewendet.

 


In der Studie wurde hauptsächlich die Menge PM10 gemessen. PM10 ist Feinstaub mit einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer. Zum Vergleich : ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von 70 Mikrometern. Feinstaub, der kleiner als PM10 ist, kann  tief in die Lungen eindringen.

 


Die Menge PM10 wird an Bahnhöfen gemessen. Luftverschmutzungsdaten sind öffentliche Daten. Sie sind in den drei Städten leicht zugänglich.
Daten zur Sterberate waren über Todesnachrichten verfügbar.

 


Der FÖD Volksgesundheit stellte Angaben über die Zahl der Krankenhausaufnahmen zur Verfügung.

 


Organisation der Studie
 
Was Brüssel betrifft, waren die 19 Gemeinden der Region Brüssel Hauptstadt an der Studie beteiligt, es handelt sich insgesamt um 999.899 Einwohner. Was Lüttich betrifft, handelte es sich um 10 Gemeinden mit 428.234 Einwohnern und was Antwerpen betrifft, handelte es sich um 7 Gemeinden mit 567.728 Einwohnern. Diese Studie bezog sich also auf fast 2 Millionen Einwohner.

 


Die Studie wurde 2004 durchgeführt.

 


Die Ergebnisse der Studie
 
In den 3 Städten wurden die Auswirkungen von PM10 auf sehr kurze Sicht (48 Stunden), auf kurze Sicht (40 Tage) und auf lange Sicht untersucht.

  • Auf sehr kurze Sicht gilt Folgendes: Wenn die Menge PM10 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter zurückgeführt wird, können jährlich 163 vorzeitige Todesfälle (83 kardiovaskuläre Todesfälle und 43 Todesfälle wegen einer Atemwegserkrankung) vermieden werden.
  • Auf kurze Sicht gilt Folgendes: Wenn die Menge PM10 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter zurückgeführt wird, können jährlich 331 vorzeitige Todesfälle (194 kardiovaskuläre Todesfälle und 140 Todesfälle wegen einer Atemwegserkrankung) vermieden werden.
  • Auf lange Sicht gilt Folgendes: Wenn die Menge PM10 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter zurückgeführt wird, können jährlich 1079 vorzeitige Todesfälle vermieden werden.

 

Die Auswirkungen waren am höchsten in Lüttich, obwohl die Unterschiede zu Brüssel und Antwerpen nicht bedeutend waren.

 


Die Kindersterblichkeit in Europa ist sowieso niedrig, deswegen ist auch die Sterblichkeit infolge der Luftverschmutzung sehr niedrig. Wenn die Menge PM10 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter zurückgeführt wird, können 2,47 Kindertodesfälle vermiedenwerden.

 


Was die Krankenhausaufnahmen betrifft, können bei gleicher Verringerung von PM10 561 Atemwegserkrankungen und 257 Herzerkrankungen vermiedenwerden.

 


Bekanntmachung der Studie
 
Während einer zweiten Phase der Studie wurden die Ergebnisse an die Entscheidungsträger der verschiedenen Gemeinden bekanntgegeben. Die Wichtigkeit der Ergebnisse als Unterstützung für die Politik wurde betont. Während einer Informationsveranstaltung im Januar 2008 wurden den Gemeinden nähere Auskünfte erteilt. 13 Gemeinden haben an dieser Veranstaltung teilgenommen. Es gab jedoch keine optimale Bekanntgabe von Informationen über die Studie an die Entscheidungsträger. In Zukunft bekommen die Entscheidungsträger jeder Gemeinde eine personalisierte Präsentation, wodurch das Interesse für die Studie ohne Zweifel zunehmen wird.

 


Empfehlungen
 
In der Studie werden einige Empfehlungen für die Zukunft gegeben:

  • Eine derartige Studie sollte für alle großen Städten in Belgien regelmäßig wiederholt werden, um die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Volksgesundheit zu evaluieren. Belgien ist, was Feinstaub in der Luft betrifft, eines der am stärksten verschmutzten Gebiete in Europa.
  • Die Kosten dieser Studien werden niedrig sein. Sterberaten, Angaben über die Krankenhausaufnahmen und über die Luftverschmutzung können heutzutage sehr wirksam angewendet werden, um die Auswirkungen von Änderungen in der Luftverschmutzung auf die Volksgesundheit zu evaluier